Logo

Dr. Bittner Business English

Professionelle Übersetzungen | Maßgeschneiderte Englisch-Schulungen

Like-Blog

So interessant können Übersetzungslösungen sein

Like-Blog

Warum Like-Blog? Nun, zum einen ist dieser Blog ein Blog, den Sie mögen (und regelmäßig lesen) sollten – zumindest dann, wenn Sie sich für Übersetzungen interessieren. Zum anderen ist das hier behandelte Thema eines, in dem die sinnstiftende Ähnlichkeit zwischen einem Text und seiner Übersetzung im Sprachenpaar Englisch-Deutsch eine zentrale Rolle spielt. Auf dieser Seite diskutiere ich einige interessante Übersetzungslösungen, die mir im Laufe meiner Tätigkeit als Übersetzer und Übersetzungswissenschaftler über den Weg gelaufen sind.

Eine Übersetzungslösung ist immer nur so gut wie die sie stützenden Argumente. Wer also positive oder negative Übersetzungskritik übt, muss diese auch begründen. Wie gut eine Übersetzungslösung ist, erweist sich erst in Relation zu anderen möglichen Übersetzungslösungen in einer gegebenen Übersetzungssituation. Daher sollte ein Übersetzungskritiker oder eine Übersetzungskritikerin nicht nur sagen, warum eine Übersetzungslösung schlecht ist, sondern auch aufzeigen, wie eine bessere Lösung aussehen könnte. Diese Grundsätze der Übersetzungskritik werde ich versuchen zu beherzigen. Das bedeutet auch: Wenn Sie Fragen zu meiner Argumentation haben oder anderer Meinung sind, lassen Sie es mich gerne wissen unter 04171 6086525 oder per E-Mail an bittner@businessenglish-hamburg.de. Doch nun genug der einleitenden Worte. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Giuseppe (März 2024)

Ein weiteres Mal findet sich ein interessantes Übersetzungsproblem in „The Trouble with Harry’s“ (Vanity Fair, 2. November 2009) von Mark Seal. Im Original heißt es: „Arrigo soon sent his son, Giuseppe, who was then 20 and had never been to New York, to help oversee the business.“

Übersetzt wurde: „Arrigo schickte bald darauf seinen damals 20-jährigen Sohn Giuseppe, der noch nie in New York gewesen war, um bei der Leitung des Geschäfts mitzuhelfen.“

Das Problem in dieser Übersetzung erschließt sich dem Leser oder der Leserin nicht unbedingt auf den ersten Blick. Es ist auch nur insofern ein Übersetzungsproblem, als der Einfluss des englischen Originals vermutlich die Ursache für eine im Deutschen nicht akzeptable Verkürzung ist – zumindest in einem journalistischen Text wie diesem. Im Zieltext fehlt eine adverbiale Bestimmung des Ortes zum Verb „schicken“. Eine solche Bestimmung (oder alternativ ein indirektes Satzobjekt – ich schicke jemandem etwas) kann, wenn überhaupt, höchstens in einem sehr begrenzten und oftmals umgangssprachlichen Kontext weggelassen werden.

Zwei Lösungen bieten sich an. Die einfachste, aber vielleicht nicht die eleganteste, ist die Verwendung des Verbs „entsenden“ anstelle von „schicken“. Alternativ wird die adverbiale Bestimmung ergänzt: Arrigo schickte bald darauf seinen damals 20-jährigen Sohn Giuseppe, der noch nie in New York gewesen war, in die Metropole, um bei der Leitung des Geschäfts mitzuhelfen.