Logo

Dr. Bittner Business English

Professionelle Übersetzungen | Maßgeschneiderte Englisch-Schulungen

Like-Blog

So interessant können Übersetzungslösungen sein

Like-Blog

Warum Like-Blog? Nun, zum einen ist dieser Blog ein Blog, den Sie mögen (und regelmäßig lesen) sollten – zumindest dann, wenn Sie sich für Übersetzungen interessieren. Zum anderen ist das hier behandelte Thema eines, in dem die sinnstiftende Ähnlichkeit zwischen einem Text und seiner Übersetzung im Sprachenpaar Englisch-Deutsch eine zentrale Rolle spielt. Auf dieser Seite diskutiere ich einige interessante Übersetzungslösungen, die mir im Laufe meiner Tätigkeit als Übersetzer und Übersetzungswissenschaftler über den Weg gelaufen sind.

Eine Übersetzungslösung ist immer nur so gut wie die sie stützenden Argumente. Wer also positive oder negative Übersetzungskritik übt, muss diese auch begründen. Wie gut eine Übersetzungslösung ist, erweist sich erst in Relation zu anderen möglichen Übersetzungslösungen in einer gegebenen Übersetzungssituation. Daher sollte ein Übersetzungskritiker oder eine Übersetzungskritikerin nicht nur sagen, warum eine Übersetzungslösung schlecht ist, sondern auch aufzeigen, wie eine bessere Lösung aussehen könnte. Diese Grundsätze der Übersetzungskritik werde ich versuchen zu beherzigen. Das bedeutet auch: Wenn Sie Fragen zu meiner Argumentation haben oder anderer Meinung sind, lassen Sie es mich gerne wissen unter 04171 6086525 oder per E-Mail an bittner@businessenglish-hamburg.de. Doch nun genug der einleitenden Worte. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Wenn da nicht der Kontext wäre (Juli 2019)

Vor etwa sieben oder acht Jahren bin ich auf folgenden Satz gestoßen: At OLT we know that communication is crucial to the success and future growth of our business. Wenn wir diesen Satz ins Deutsche übersetzen, scheint folgende Lösung naheliegend: Wir bei OLT wissen, dass Kommunikation für den Erfolg und das zukünftige Wachstum unseres Unternehmens von entscheidender Bedeutung ist. Diese Lösung wäre durchaus denkbar, wenn der englische Satz aus der Einleitung eines Quartalsberichts stammte. Er stammt jedoch von der Startseite des Webauftritts einer Online-Übersetzungsagentur. Und vor diesem Hintergrund ist die Übersetzung in dreierlei Hinsicht verbesserungswürdig.

Wieso verbesserungswürdig? Schließlich gibt doch der deutsche Zieltext den englischen Ausgangstext sehr präzise wieder. Außerdem ist das Deutsch völlig idiomatisch. Das stimmt zwar – allerdings ist das erste Kriterium irrelevant und das zweite unzureichend. Warum das so ist? Weil die Startseite des Webauftritts einer Online-Übersetzungsagentur in erster Line eine werbende Funktion hat: Sie will den Leser als potenziellen Kunden ansprechen. Ob hier die deutsche Version mit der englischen übereinstimmt oder nicht, ist für den Leser irrelevant. Wichtig ist hingegen, dass die Übersetzung die werbende Funktion der Startseite optimal umsetzt und dem Leser das bietet, was er sich erhofft hat.

Sie werden es vielleicht gemerkt haben: In unserem Beispiel ist schon das englische Original mangelhaft. Das größte Problem tritt am Schluss des Satzes auf, wo ein kleiner Rechtschreibfehler große Wirkung zeigt. Im einleitenden Satz der Startseite sollte nicht das eigene Unternehmen, sondern der potenzielle Kunde im Mittelpunkt stehen. Statt „our business“ sollte es daher „your business“ heißen. Des Weiteren ist im Hauptsatz („At OLT we know“) das Hervorheben des eigenen Unternehmens unangebracht und das Prädikat nichtssagend. Denn was OLT weiß, erkennt der Leser schon daran, dass es auf der Startseite von OLT geschrieben steht. Werbende Texte sollten außerdem das, was sie sagen, auf den Punkt bringen: Das Adjektiv „future“ ist im gegebenen Zusammenhang überflüssig.

Auf der Grundlage dieser Argumentation ergibt sich für den Ausgangstext: Communication is crucial for the success and growth of your business. Dieser Satz ließe sich dann so ins Deutsche übersetzen: Kommunikation ist für den Erfolg und das Wachstum Ihres Unternehmens von entscheidender Bedeutung. Aber darf ein Übersetzer sich einfach über den Wortlaut des Originals hinwegsetzen und einen anderen Zieltext produzieren? Er darf das nicht nur tun, sondern er sollte es auch tun. In diesem Fall stimmt der Text des Originals nicht mit seiner werbenden Intention überein; dieses Missverhältnis biegt der Übersetzer mit seinem Zieltext zurecht. Selbstverständlich wird er den Auftraggeber von dieser Vorgehensweise in Kenntnis setzen und ihn auf die Probleme im Ausgangstext aufmerksam machen. Der Auftraggeber wird es ihm danken.

Das war's für diesen Monat. Für Sprachpuristen sei noch angemerkt, dass die unmarkierten Formen von Substantiven, die sich auf Personen beziehen (Leser etc.), in diesem Text sämtliche Geschlechter einschließen.